Am 14.04.2007 habe ich mich auf die Reise zum ersten wichtigen Höhentraining dieser Saison begeben. Mit einem Direktflug von Erfurt nach Teneriffa hatte ich einmal weniger Reisestress als üblich. Mein Teamkollege Markus Fothen ist auch an diesem Tag nach Teneriffa geflogen. Am Flughafen haben wir uns dann getroffen, die Räder ins Auto geladen und sind auf den 2100 Meter hohen Teide gefahren, um hier unsere "Zelte" für die nächsten Wochen aufzuschlagen. Den Anreisetag und die folgenden vier Tage haben wir ganz zur Anpassung genutzt und das "Plateau" nicht verlassen. Die längste Trainingseinheit sind wir am dritten Tag gefahren und mit 1875 Höhenmertern nicht gerade flach. Das Plateau auf dem Teide, dem höchsten Berg Spaniens (3718m), ist leider keinesfalls "tellerflach". Das SRM zeigte uns hierbei unter 180 Watt im Durchschnitt an. So konnten Markus und ich mit ruhigem Gewissen sagen, dass es wirklich der Anpassung nicht geschadet hat.
Das Wetter war während der gesamten Zeit sehr gut und wir konnten somit auch, bis auf einen Trainingstag, das Plateau verlassen.
Wie im Bild zu sehen ist, kann es durchaus viele Wolken und drübes Wetter auf der Insel geben, aber ab 1900 Meter über dem Meeresspiegel lichten sich diese Wolken und man fährt im Sonnenschein weiter. Mit vollem Elan sind wir beide unsere täglichen Einheiten gefahren. So kamen auch mal über 6 Stunden zusammen, mit mehr als 3500 Höhenmetern.
Nach 11 Nächten ist Markus dann zurück zu seiner zukünftigen Frau und seiner Tochter geflogen, um am 29.04.2007 bei "Lüttich-Bastogne-Lüttich" am Start zu stehen und dort das Team um Davide Rebellin, Fabian Wegmann und Stefan Schumacher zu verstärken.
Die Fachzeitschrift Procycling war auch zu Besuch hier und wer mehr erfahren möchte, muss sich dann die nächste Ausgabe kaufen. Hier erfahrt ihr noch ausführlicher, was wir alles gemacht haben, wie wir den Radsport aus unseren Augen in diesen schweren Zeiten sehen und vieles mehr.
Mein vorgesehener Abreisetag war eigentlich der 02.05.2007, aber am ersten Tag meines letzten Trainingsblockes, dem 29.04.2007, ist mir der Gabelschaft gebrochen. Ich war noch nicht ganz auf Meereshöhe, um eine 5 Stunden Runde zu fahren und da fällt der Lenker ins Leere. So schnell konnte ich gar nicht reagieren, da machte ich einen Purzelbaum und lag da. Erst dachte ich, was war das jetzt, aber als ich mein Rad sah und der Lenker samt Vorbau nicht an seinem dafür vorgesehenen Platz war, vertsand ich schnell, was passiert ist. Der erste Gedanke war nur, zum Glück ist mir das nicht in einer der gefährlichen Abfahrten vom Berg hinab passiert! Denn so etwas bei 60km/h und felsiger Umgebung kann viel schlimmer enden als dieser Crash. Mit neuen Schürfwunden und etwas geknickt habe ich zwei nette Belgier gefragt, ob sie mir nicht ein Taxi organisieren könnten. Spontan haben sie mich mit ihrem Auto zu einem Taxipunkt gebracht, wofür ich ihnen sehr dankbar war. Dann bin ich mit dem Taxi zurück ins Hotel und hab mich gleich ans Telefon gehangen. Telefon und Geld habe ich immer dabei, das man in "Notfällen" wie dieser sofort reagieren kann. Ich fragte Theo Maucher, unseren Teamkoordinator, wie lange es dauern würde ein Ersatzrad zu schicken. 24 Stunden, also frühestens Dienstag morgen, da wir ja Sonntag hatten. Mittwoch wäre ich dann heim geflogen!!!
Was machen? Ein Trainingstag war jetzt eh dahin, also entschied ich mich dafür, das Höhentraining 3 Tage vor Ende abzubrechen, um am selben Tag noch nach Hause zu fliegen. Dank Theo Maucher, der alle Rennfahrer das gesamte Jahr auf alle möglichen Rennen schickt, deren Reisen bucht und koordiniert, saß ich am Abend in einem Flieger nach Frankfurt. Genau da sitze ich nun, die Wunden brennen und die Boing 700-300 ist voll von Urlaubern. Jetzt sollte nur noch das gesamte Gepäck in Frankfurt mit mir ankommen sowie mein neues Rad, welches mir durch einen Mechaniker des Teams gebracht werden soll. Dann kann ich Montag und Dienstag trainieren, was mir zur Zeit einfach mehr bedeutet, als sich Gedanken zu machen, warum es mich erwischt hat. Denn die letzten Tage im Training habe ich gemerkt, dass meine Form immer besser wurde und genau deswegen will ich nun nicht wieder Boden verlieren auf dem Weg Richtung Tour de France oder den Weltmeisterschaften in Stuttgart. Wie alles ausging und was noch passierte, erzähle ich euch in ein paar Tagen. Aber mir wäre es recht, wenns mal ruhiger zugeht in meinem Leben, zumindest was solche Dinge wie Unfälle mit dem Rad angeht.
Bis bald, euer Seppel.
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