Paris - Nizza 2006
 

Prolog

Kurz vor dem Start wird hier noch einmal das Material geprüft und dann geht es auf die Startrampe. Bei dem Auftaktprolog in Paris erging es mir nicht so gut. Trotz sorgfältiger Vorbereitung und Warm fahren lief es einfach nicht. Die Schmerzen im Becken merke ich immer noch, wenn ich im stehen fahre und richtig Power geben will. Dazu kommt noch, daß ich die Zeitumstellung noch immer merke, und einfach nicht frisch in den Tag starte. Meistens bin ich noch bis nach dem Mittag schläfrig. Trotzdem bin ich froh hier fahren zu können um mich weiter auf die Klassiker vorzubereiten.

1.Etappe

Wie in den letzten Jahren, bleibt das Wetter, bei "Paris - Nizza" ganz dem Motto "Winterlandschaft" treu. So haben wir die ersten Etappe über 193km bei gut 4 Grad und teilweise Schneeregen absolviert. So haben meine Teamkollegen und ich fast alles angezogen was wir hier her mitgebracht haben. Mit langen Beinlingen, einem langen Unterhemd und weiteren drei Schichten am Oberkörper, konnten wir so dem kalten Wetter trotzen. Das Rennen hingegen war eher ruhig als aggressiv begonnen wurden. Erst nach 50 gefahrenen Kilometern (30km/h Durchschnitt), fuhren zwei Fahrer dem Feld davon. Ohne große Gegenwehr hat man sie ziehen lassen, als aber der Vorsprung bei fast 10 Minuten angelangt war, verschärfte man das Tempo im Feld. Der Vorsprung wurde immer kleiner und so kam es zu dem vermuteten Massensprint. Hier setzte sich Tom Boonen vor Allen Davis durch und sicherte sich so nicht nur den Tageserfolg, sondern auch das gelbe Trikot. Meinem Rücken hingegen geht es immer noch schlecht, so habe ich auch 600 Meter vor dem Ziel abreisen lassen. Da es mir Schmerzen bereitet, wenn ich aus dem Sattel gehen muß, bin ich den größten Teil der Strecke im sitzen gefahren. Am Abend war dann dementsprechend der gesamte Rücken verkrampft. Dennoch wird es besser, wenn ich da an die ersten Tage denke dann ist es schon um einiges besser geworden.

2.Etappe - 3.Etappe - 4.Etappe....

"So ist es und so soll es sein." Genau dieser eine Satz beschreibt wohl was ich hier gerade erlebe, durchmache und aushalten muß. Beginnen wir einmal mit der zweiten Etappe. Direkt am Start der Etappe fuhr ein Fahrer auf und davon ohne das dies großes Interesse bei den anderen Teams erzeugt hätte. Irgendwie hatte man ganz klar das Gefühl das es hier keine Mannschaft gibt die sich einer Verantwortung behaupten möchte. Als er dann fast 25min Vorsprung hatte, glaubte keiner mehr daran das wir ihn später noch einmal einholen sollten. Also wurde aus einem richtigen Bummelrennen ein sehr, sehr, sehr schnelles Radrennen. Der Sieger, ganz klar, Tom Boonen. Mehr gibt es da gar nicht zu sagen, außer das die Arktischen Temperaturen nicht gerade Schweißtreibend waren.
Auf dem dritten Teilstück von Paris nach Nizza, standen die ersten großen Berge auf dem Programm. Mit 4 Grad am Startort und Regen wurde meine Motivation enorm gesteigert. Und ich gebe gerne zu, das ich eben viel viel lieber bei warmen Wetter fahre. Auf dieser Etappe erlebte ich einmal mehr wie besch... dieser Sport sein kann. Nach dem wir mit drei Mann (Volker, Robert, Sebastian) eine Verfolgungsjagd gestartet haben, weil eine größere Gruppe weggefahren ist, war ich mal richtig müde. Dann kam auch noch zum ungünstigsten Zeitpunkt die Defekthexe und so war das richtige Rennen für mich beendet. Jetzt sollte ich nur noch eine Gruppe finden mit der ich wenigstens das Ziel erreiche ohne allein hier durch die Gegend zu fahren. Zum Glück war das wenigstens kein so großes Problem.
Und heute auf der 4.Etappe, gewann wieder Tom Boonen und das in einem sehr schweren Sprint. Unser S.Schumacher wurde zu Recht dritter und er fährt hier ein sehr beeindruckendes Rennen. Ich jedoch werde einfach nicht warm mit diesem Rennen. Leider weis ich selbst nicht woran das liegt, erst der Sturz, dann der lange Rückflug und die Zeitumstellung und nun dieses Wetter welches meiner Moral gar nicht gut tut. Aber eines steht fest, die Rennkilometer sind wichtig für die weiteren Rennen und deswegen werde ich weiter hart fahren um einen besseren Tag zu erwischen.

5.Etappe

Leider gibt es keine guten Neuigkeiten. Nach dem ich die letzten Tage schon mit Sitzproblemen gekämpft habe, wurden sie heute noch schlimmer. Auf der zweiten Etappe hat, alles begonnen. Durch den Regen habe ich mir erst beide Innenseiten der Oberschenkel aufgerieben. Und Heute auf der über 200km langen Etappe wurden die Sitzprobleme immer größer, so das ich im Ziel feststellen mußte, das mein Gesäß betroffen ist. Darauf hin haben der Arzt, die Teamleitung und ich uns dafür entschieden besser morgen nicht an den Start zu gehen um die offenen Wunden eine Chance zu geben vor den nächsten Rennen ordentlich zu verheilen. Es ärgert mich sehr das so kurz vor dem Ende ein weiteres Problem auftritt und meine Planungen etwas über den Haufen geworfen wurden. Jetzt werde ich mal die Wunden pflegen und sehen ob ich mein Leder von der Rennhose ändern kann.

Bis bald, euer Seppel.